{"id":2,"date":"2025-01-23T18:43:16","date_gmt":"2025-01-23T17:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichteinwittenberg.de\/?page_id=2"},"modified":"2025-02-28T21:44:42","modified_gmt":"2025-02-28T20:44:42","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Grenzen des zivilen Protests in der DDR"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\">Einleitung <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee f\u00fcr dieses Projekt entstand in einem l\u00e4ngeren Prozess, im welchem wir \u00fcberlegten, welches Thema wir f\u00fcr den <strong>Geschichtswettbewerb des Bundespr\u00e4sidenten<\/strong> beitragen k\u00f6nnen. Die Anregung sich mit einem Beitrag zu beteiligen kam durch unseren Tutor und Geschichtslehrer. Ein Zeitungsartikel \u00fcber den <strong>Wittenberger Pfarrer Schorlemmer<\/strong>, der im Herbst 2024 k\u00fcrzlich verstorben war, haben wir zum Anlass genommen, die <strong>Aktion Schwerter zu Pflugscharen<\/strong> neu zu betrachten. Einer aus unserer Gruppe hat einen Bekannten, der Zeitzeuge der damaligen Schmiedeaktion zum Kirchentag in Wittenberg gewesen ist. Da wir alle im Umkreis von Wittenberg wohnen, ist f\u00fcr uns schnell ein pers\u00f6nlicher und lokaler Bezug zu diesem Thema entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema des diesj\u00e4hrigen Wettbewerbs lautet: <em>\u201eBis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte\u201c. <\/em>Die Aktion \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c als Thema f\u00fcr den Wettbewerb auszuw\u00e4hlen schien uns passend zu sein. Dem DDR-Regime wurde die Stirn geboten und die Aktion hat durch ihren friedlichen Protest eine indirekte Konfrontation mit dem Staat gesucht. Der Staat sollte aufgefordert werden, die Aufr\u00fcstung zu stoppen und den \u201eFrieden ohne Waffen\u201c zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollten uns vor dem Hintergrund der Schmiedeaktion die Frage beantworten, ob die hierin eine zivile Grenz\u00fcberschreitung f\u00fcr das DDR-Regime zu sehen war und welche Folgen die Aktion f\u00fcr die Beteiligen hatte. Unsere Ergebnisse sollten anderen Interessenten frei verf\u00fcgbar sein. \u00dcber die pers\u00f6nlichen Kontakte zu den Zeitzeugen haben wir davon erfahren, dass ein Verein namens \u201eViseoneum\u201c  in Gr\u00fcndung ist. Unsere Ergebnisse wollen wir dem Verein zur Verf\u00fcgung stellen. Eine Website bietet die M\u00f6glichkeit, Text, Audio- und Video-Inhalte zu kombinieren. Somit k\u00f6nnen wir die Zeitzeugeninterviews und das Bildmaterial mit dem Beitragstext f\u00fcr den Wettbewerb kombinieren. Daher erschien uns die Website als geeignete Form.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\">Die Aktion Schwerter zu Pflugscharen in Wittenberg<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"456\" height=\"256\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/image.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50\" style=\"width:837px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/image.jpeg 456w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/image-300x168.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kirchentag und die Aktion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1983 fand in Wittenberg ein bedeutender Kirchentag statt, der anl\u00e4sslich des 500. Geburtstags von Martin Luther gefeiert wurde. Diese Veranstaltung zog nicht nur zahlreiche G\u00e4ste an, darunter den damaligen regierenden B\u00fcrgermeister von Westberlin und sp\u00e4teren Bundespr\u00e4sidenten, <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Richard_von_Weizs%C3%A4cker\">Richard von Weizs\u00e4cker<\/a>,<\/strong> sondern auch eine unerwartet hohe Anzahl an Teilnehmern aus aller Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schorlemmer (2003):<em> \u201eDie Staatssicherheit hatte offenbar keine Order. Sie waren in Mengen da, aber sie griffen nicht ein. Das hing wohl damit zusammen, dass gewisserma\u00dfen in Sichtweite der designierte Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker anwesend war. Also, wir hatten ein unglaubliches Gl\u00fcck und konnten diese Aktion zu Ende f\u00fchren.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Pfarrer Friedrich Schorlemmer nutzte die Gelegenheit, um mit der Aktion \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c ein starkes Zeichen zu setzen. Diese Schmiedeaktion, die im Hof des Lutherhauses stattfand, wurde durch Mundpropaganda und Anspielungen in Schorlemmers Predigt bekannt. Am <strong>Abend des 24. September 1983, gegen 21:30 Uhr versammelten sich etwa 2.000 Menschen<\/strong>, um an dieser symbolischen Handlung teilzunehmen, die den Widerstand gegen die DDR und die Forderung nach einer neuen Friedenspolitik verk\u00f6rperte (Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S. 6-11). Auf Youtube findet sich dieser Beitrag dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"DDR Friedensbewegung &quot;Schwerter zu Pflugscharen&quot;\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/olxl48evqJo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schmid der Aktion Stefan Naum erinnert sich hierzu in einem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/friedensbewegung-schwerter-zu-pflugscharen-wittenberg-stefan-nau-100.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/friedensbewegung-schwerter-zu-pflugscharen-wittenberg-stefan-nau-100.html\">mdr Betrag<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mehr als nur Ausdruck des Glaubens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aktion war nicht nur ein Ausdruck des Glaubens, sondern auch eine Reaktion auf die ideologischen Widerspr\u00fcche zwischen dem Christentum und der DDR. Die Regierung der DDR und das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit versuchten den Einfluss der Kirche zu minimieren, was zu einer Benachteiligung junger Christen in Schulen f\u00fchrte. Dennoch boten Kirchen R\u00fcckzugsr\u00e4ume und Veranstaltungen f\u00fcr Jugendliche an. Die Verbindung zwischen den Menschen beider deutscher Staaten, die sich f\u00fcr Frieden und Umwelt engagierten, wurde durch die Aktion gest\u00e4rkt. Der Journalist und Augenzeuge Peter Wensierski (2003), der die Ereignisse dokumentierte, stellte fest: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDieser Abend [&#8230;] das war was, was jeder in Westdeutschland auch verstand, [&#8230;] wo es pl\u00f6tzlich eine Verbindung zwischen den beiden Teilstaaten gab. Zwischen denen, die \u00e4hnlich gedacht und gef\u00fchlt haben, die aktiv waren in der Friedens- und Umweltbewegung \u2013 gerade bei den vielen jungen Leuten. [&#8230;] Es gibt auf beiden Seiten der Mauer \u00e4hnlich denkende Leute. [&#8230;]\u201c (Wensierski, 2003).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Symbolik der Friedensbewegung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Symbolik der Aktion \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c war tiefgreifend. Hammerschl\u00e4ge auf ein \u201ehei\u00dfes Eisen\u201c wurden ausgef\u00fchrt, w\u00e4hrend Bibelzitate vorgetragen und gemeinsam Lieder gesungen wurden. Dies stand im Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis der DDR, die sich selbst als die einzige legitime Friedensbewegung betrachtete \u2013 gest\u00fctzt durch die Nationale Volksarmee (NVA). So sollte es die Aufgabe der Armee sein, den Frieden zu sichern. Die Idee, Schwerter in Pflugscharen zu verwandeln, war inspiriert von biblischen Prophezeiungen. Die Wurzeln des Symbols \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c reichen bis zu einer gro\u00dfen Bronzestatue zur\u00fcck, die 1959 von der sowjetischen Regierung unter Nikita Chrustschow (1959) als Geschenk an die Vereinten Nationen \u00fcbergeben wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/schwerter-zu-pflugscharen-titel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-53\" style=\"width:836px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/schwerter-zu-pflugscharen-titel.jpg 800w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/schwerter-zu-pflugscharen-titel-300x169.jpg 300w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/schwerter-zu-pflugscharen-titel-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Statue, geschaffen von<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jewgeni_Wiktorowitsch_Wutschetitsch\"> Jewgenij Wutschetisch<\/a>, steht bis heute in New York. Die biblischen Zitate aus dem Propheten Micha (4:3) und Jesaja (2:4), die Frieden und Umwandlung thematisieren, wurden zur Inspiration f\u00fcr die Friedensbewegung in beiden deutschen Staaten. Trotz anf\u00e4nglicher Kooperationsversuche zwischen den Milit\u00e4rb\u00fcndnissen NATO und Warschauer Pakt kam es in den sp\u00e4ten 1970er Jahren zu einem R\u00fcstungswettlauf, der die Friedensbewegung weiter anheizte (Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S. 12-15). So kommt es zu der Stationierung von SS-20 Mittelstreckenraketen, die ein atomare Sprenglandung transportieren und von mobilen Rampen abgefeuert werden konnten. Und mit dem NATO-Doppelbeschluss war vorgesehen, Pershing-Mittelstreckenraketen und Marschflugk\u00f6rpern in Europa zu stationieren. Gleichzeitig sollten Verhandlungen starten, die die Begrenzung von Nuklearkapazit\u00e4ten in beiden Milit\u00e4rb\u00fcndnissen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NATO-Doppelbeschluss\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NATO-Doppelbeschluss\">(INF-Vertrag)<\/a> vorsahen \u2013 ausgenommen auf britischer und franz\u00f6sischer Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sorge \u00fcber einen milit\u00e4rischen Konflikt zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt wuchs seitdem stetig an. In Westdeutschland demonstrierten im Oktober 1983 Hundertausende im Bonner Hofgarten. Bereits ab November 1980 versammeln sich in der DDR h\u00e4ufig junge Menschen zu Bittgottesdiensten, Friedensforen und Diskussionsabende.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von der Statue zum Lesezeichen<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"411\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-411x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-55\" style=\"width:236px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-411x1024.jpeg 411w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-120x300.jpeg 120w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka.jpeg 559w\" sizes=\"auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harald Bretschneider, s\u00e4chsischer Landesjugendpfarrer, schl\u00e4gt mit Verweis auf das Bibelzitat \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c eine Friedensdekade vor, mit der Skulptur von Wutschetisch als Symbol. Das Symbol sei schlie\u00dflich vom gro\u00dfen sowjetischen Bruderstaat als Friedenssymbol abgesegnet. Herbert Sander, ein Potsdamer Graphiker, entwirft daraufhin ein Logo f\u00fcr den Druck (1980). Bretschneider l\u00e4sst daraus Lesezeichen und Aufn\u00e4her auf Vlies erstellen. Die Resonanz ist gro\u00df und Jugendliche tragen das Symbol auf Jacken und Parkas. An der Produktionsst\u00e4tte der Herrenhuter Br\u00fcdergemeinde werden 200.000 St\u00fcck hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">Parka mit Logo der Friedensbewegung, <br>in: Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S.17 S.15 vom Parka&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reaktion des SED-Regimes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings wird die Verbreitung des von Zander entworfenen Logos in der DDR nicht geduldet. Polizisten greifen Jugendliche auf, die Parkas und Kleidungsst\u00fccke mit dem Textildruck Schwerter zu Pflugscharen tragen. Der Vorwurf betrifft den pazifistischen Protest gegen die \u201estaatliche Ordnung\u201c, wie es aus einem Fernschreiben der Polizei an das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) hervorgeht. (Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S.16).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang werden auch Schuldirektoren angewiesen, Tr\u00e4ger:innen des Logos auf der Kleidung an die Kreisschulr\u00e4te zu melden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1010\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/werdau-1010x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/werdau-1010x1024.jpeg 1010w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/werdau-296x300.jpeg 296w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/werdau-768x779.jpeg 768w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/werdau.jpeg 1276w\" sizes=\"auto, (max-width: 1010px) 100vw, 1010px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel aus Bsp. Aus Werdau vom 13.4.1982, in: Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S.17<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zumeist jungen Menschen w\u00fcrden die <strong>\u201eInteressen des Klassenfeindes\u201c<\/strong> vertreten und damit die Verteidigungsbereitschaft der DDR unterwandern. So wird das Zeichen von den Kleidungsst\u00fccken mit Gewalt entfernt. Mitunter werden Jugendliche auch von der Polizei verpr\u00fcgelt. Dennoch konnte man sehen, dass die Jugendlichen der Friedensbewegung angeh\u00f6rten, denn dort, wo fr\u00fcher das Logo aufgen\u00e4ht war, war jetzt ein Loch in der Kleidung. Zus\u00e4tzlich konnte man erkennen, wo das Logo herausgeschnitten wurde, weil Jugendliche hier einen wei\u00dfen Kreis getragen haben. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"451\" height=\"385\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-2.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57\" style=\"width:421px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-2.jpeg 451w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/parka-2-300x256.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demonstrativ ein wei\u00dfer Kreis, wo fr\u00fcher der Aufn\u00e4her der Friedensbewegung war.<br>in: Eckart &amp; Lobmeier, 2007, S.20<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gegenkampagne und Werbung f\u00fcr die NVA<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die SED Regierung unternahm auch Versuche, die \u00f6ffentliche Meinung zu beeinflussen, indem  eine Gegenkampagne zur Bewegung \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c gegr\u00fcndet wurde. Getragen wurde diese Gegenkampagne von der Jungendorganisation FDJ 1981 unter dem Motto <em>\u201eDer Frieden muss\u00a0 verteidigt werden \u2013 der Frieden muss bewaffnet sein\u201c<\/em>. Schulungen unterwiesen Jugendliche darin, \u201ekonterrevolution\u00e4re Charaktere\u201c \u2013 also Angeh\u00f6rige der Friedensbewegung zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig wurde eine Kampagne gestartet f\u00fcr die NVA zu werben. Ferner sind Plakate, Sticker und Flugbl\u00e4tter entstanden, die auf Demonstrationen &#8211; sogenannten \u201eFriedensmanifestationen\u201c &#8211; verteilt wurden. In vielen Orten wurde die Herstellung des Logos von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Sander\">Herbert Sander,<\/a> untersagt und Kirchen wurden unter Druck aufgefordert, gedruckte Symbole herauszugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SED-Druck zeigt Wirkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Druck wurde schlie\u00dflich so gro\u00df, dass im M\u00e4rz 1982 die s\u00e4chsische Landessynode von den Kanzeln verlesen lassen musste, dass das <strong>\u00f6ffentliche Bekenntnis der zivilen Friedensbewegung \u201enicht mehr [gesch\u00fctzt]\u201c<\/strong> werden k\u00f6nne. Wer k\u00fcnftig das Logo Schwerter zu Pflugscharen trage, sei auf sich allein gestellt. Nach Sch\u00e4tzungen waren rund 100.000 Personen Mitglied der Bewegung.\u00a0 Vor diesem Hintergrund ist die<strong> Schmiedeaktion ein politisches Bekenntnis gewesen<\/strong>, denn sie verband Gleichgesinnte, die die Auseinandersetzung mit dem Staat gesucht haben und eine \u00e4hnlich ern\u00fcchternde Erfahrung machten. So kommt Ehrhart Neubert 1997 zu der Einsch\u00e4tzung, Schwerter zu Pflugscharen war \u201e<em>[d]ie gr\u00f6\u00dfte oppositionelle Massenbewegung zwischen [dem Aufstand] 1953 und dem Ende der DDR\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\">Zeitzeugeninterviews<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Vorbereitung auf die Zeitzeugeninterviews wurden von uns Fragen erarbeitet, welche hinsichtlich der Aktion und ihrer Bedeutung f\u00fcr die Grenzen des zivilen Widerstands in der DDR relevant erschienen. Diese Fragen sind:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Wie haben sie von der Aktion &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220; erfahren?\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gab es Flugbl\u00e4tter, Mund-zu-Mund-Propaganda oder \u00e4hnliches? <\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Rolle haben sie bei der Aktion in Wittenberg gespielt?<\/li>\n\n\n\n<li>War die Aktion allgemein oder f\u00fcr sie pers\u00f6nlich gef\u00e4hrlich?\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wie hat sich die Polizei verhalten? Und wie die Beh\u00f6rden?<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li>Was ist den Personen sp\u00e4ter widerfahren, die die Aktion durchgef\u00fchrt haben? Gab es Repressionen?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie hat Ihr Umfeld (Freunde, Nachbarn, Bekannte, ) auf die Aktion reagiert?<\/li>\n\n\n\n<li>Aus welchem Grund war es ihnen wichtig, sich an der Aktion zu beteiligen?<\/li>\n\n\n\n<li>Was ist aus der Aktion geworden? Haben sie das Gef\u00fchl etwas erreicht zu haben?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie blicken sie heute auf die Aktion? Glauben sie, dass die Botschaft von damals heute noch aktuell ist? Warum?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"764\" height=\"638\" src=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/grafik.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-106\" style=\"width:518px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/grafik.png 764w, https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/grafik-300x251.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><a href=\"https:\/\/www.mz.de\/lokal\/wittenberg\/wittenberg-schwerter-zu-pflugscharen-skulptur-fur-ddr-friedensbewegung-1284141\">Wo fr\u00fcher die Aktion stattfand ist, seht heute ein Denkmal. Gestiftet von den LIONS Wittenberg. MZ.de vom 5.3.17<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben f\u00fcr das Projekt mit den Zeitzeugen G\u00fcnter Schildhauer, Achim Herrmann, Eva L\u00f6ber und Hartmut Zander in der alten Schmiede gesprochen. Durch pers\u00f6nliche und famili\u00e4re Kontakte von Isabell Zechel sind wir auf diese Personen gekommen, denn sie sind Zeitzeugen oder sogar Mitorganisatoren der <strong>Aktion Schwerter zu Pflugscharen<\/strong> 1983 in Wittenberg. Von den genannten Personen war Fr. L\u00f6ber im kirchlichen Umfeld des Pfarrers Schorlemmers aktiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achim Herrmann war zum damaligen  Zeitpunkt als Hobby-Fotograph t\u00e4tig, scheute sich aber von der Aktion Bildaufnahmen zu machen. Herr Schildhauer als Handwerksmeister ist nicht direkt an den Vorbereitungen beteiligt gewesen, jedoch indirekt informiert. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Produktionsgenossenschaft_des_Handwerks\">In seiner PGH<\/a> wurde das Schwert von Stefan Naum \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum vorbereitet. \u00a0Am 23. November 2024 kamen wir in der alten Schmiede in Wittenberg zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeitzeugen haben teils sehr umfassend auf die Fragen geantwortet, und mehrere Punkte zusammengefasst oder vorweggenommen. Wir haben uns bem\u00fcht die Antworten zusammenfassend hier wiederzugeben.<br><a href=\"https:\/\/geschichteinwittenberg.de\/?sr_playlist=zeitzeugeninterviews-vom-23-november-2024\">Die MP3-Playlist in dem mit den Antworten und zus\u00e4tzlichen Information aus dem Interviews ist hier verlinkt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Wie haben Sie von der Aktion erfahren?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>G\u00fcnter Schildhauer<\/strong> beantwortete unsere Frage so: Er meinte, er war sehr \u00fcberrascht und hatte nur vage von der Aktion erfahren. Er sagte, dass um den Freitagabend ein bisschen ein Geheimnis gemacht wurde. Friedrich Schorlemmer sagte zu ihm, er solle unbedingt kommen, da dort etwas Wichtiges passierte. Es wusste von vornherein nur ein ganz kleiner Kreis Bescheid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> hat uns erz\u00e4hlt, dass sie direkt an der Aktion beteiligt war und deswegen Bescheid wusste, da sie bei der Planung half. Weiterhin f\u00fchrte sie aus, dass einen eingeweihten Kreis von Kirchenaktiven gab. Andeutungen zu der Aktion wurden in der Predigt Schorlemmers gemacht.   <\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Welche Rolle haben Sie bei der Aktion gespielt?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Achim Herrmann<\/strong> meinte, er war nicht in die Vorbereitung eingebunden und war ebenfalls sehr \u00fcberrascht. Er wurde beauftragt, als Kirchentagsfotograf zu arbeiten und hatte im Vorfeld schon einige Fotos von der Kirche gemacht. Er hat seinen Fotoapparat an dem Tag der Aktion vorsichtshalber zu Hause gelassen, da Schorlemmer meinte, dass dort etwas Besonderes passierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> hat sich an der Aktion beteiligt und mitgeholfen bei der Planung. Aber genau auf den Punkt,  welche Rolle sie gespielt hat, ist sie nicht eingegangen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> War die Aktion gef\u00e4hrlich?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> sagte, die Aktion war allgemein gef\u00e4hrlich. Die Aktion sei nur ohne Unterbrechungen von der Staatssicherheit vonstatten gegangen, da es sonst einen Affront gegeben h\u00e4tte und westliche Journalisten vor Ort waren. Doch wussten sie nicht, was danach mit ihnen geschehen w\u00fcrde. Sie waren alle im Westfernsehen zu sehen, das war eine gro\u00dfe Unsicherheit. Man wusste eben nicht, wie die Staatssicherheit mit denen umgehen w\u00fcrde, die anderer Meinung waren. \u201eWas bedeutet eigentlich Freiheit? Freiheit in einem Staat, wenn man nicht die Meinung dessen vertritt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Wie hat sich die Polizei verhalten? Und wie die Beh\u00f6rden?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> sagte dazu, dass es eine Kinderpanzerstation gab, wo es eine gro\u00dfe Auszeichnung war, wenn Jugendliche oder Personen mit Waffen in der Berliner Parade dabei sein durften. Man hatte auch Angst, was mit ihnen nach der Aktion passieren w\u00fcrde. Da alle in normalen Arbeitspl\u00e4tzen t\u00e4tig waren und die Staatssicherheit mehrere M\u00f6glichkeiten hatte, Bestrafungen auszurichten:  z.B. keine Genehmigungen von Ausreiseantr\u00e4gen. Oder man hatte versucht, ihren Mann von seiner Arbeitsstelle zu entfernen, sodass er den Meister nicht machen konnte. Auch das war ein Machtinstrument, Menschen zu diskriminieren, die nicht hinter der Meinung der Partei stehen. Keiner wusste, wer f\u00fcr die Staatssicherheit t\u00e4tig war; es konnte der Nachbar gewesen sein oder auch nicht. Wer sich nicht staatskonform verhielt, der w\u00fcrde beobachtet, und nach und nach w\u00fcrden kleine Repressalien bei der entsprechenden Person angewendet.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Was ist den Personen widerfahren, die die Aktion durchgef\u00fchrt haben? Gab es Repressionen?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> sagte, dass Herr Naum, der das Schwert schmiedete, seinen Job danach verloren hat und den Kontakt zu den anderen vermied. Frau L\u00f6ber sagte zu uns auch, dass man versucht hatte, ihren Mann und sie aus der Arbeitsstelle rauszuschmei\u00dfen, indem man sie beide anklagte. Frau L\u00f6ber sollte von ihrer Mitarbeiterstelle im Kulturbetrieb in die Produktion wechseln. Und ihrem Mann wurde der Meister verwehrt. Doch wurde Frau L\u00f6ber nach rechtlicher Auseinandersetzung wieder in einer anderen Position im Kulturbetrieb aufgenommen. Man durfte auch kein Abitur nach der Schule machen, wenn man kirchlich organisiert ist. Es wurde auch gesagt, dass man so in gewisser Weise gesellschaftlich  ausgegrenzt wurde. Sp\u00e4ter erg\u00e4nzt sie, dass ihre Wohnung abgeh\u00f6rt wurde.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"6\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Wie hat Ihr Umfeld (Freunde, Nachbarn, Bekannte) auf die Aktion reagiert?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> sagte zu uns, dass sie an einem Gespr\u00e4chskreis beteiligt war, bei dem sie regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber gesellschaftliche Themen diskutiert haben, da es schon Unmut in der Bev\u00f6lkerung gab \u00fcber die Situation im Land, da man nicht reisen durfte und die Meinungsfreiheit stark eingeschr\u00e4nkt war. Sie haben \u00fcberlegt, wie man versuchen kann, da etwas zu \u00e4ndern. Sie wollten weiter dort leben, aber nicht unter diesen Umst\u00e4nden. Sie sagte, das war dann eine ganz einfache Sache, da es in der Bibel zu diesem Thema diesen einen wunderbaren Spruch von den &#8222;Schwertern zu Pflugscharen&#8220; gab. Sie alle hatten einen christlichen Hintergrund und wollten dieses Symbol in den Vordergrund stellen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"7\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Aus welchem Grund war es Ihnen wichtig, sich an der Aktion zu beteiligen?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> hat uns gesagt, dass die B\u00fcrger eine Welt erschaffen wollten, in der es keine Waffen gibt und kein Krieg existiert und dass die Menschen friedensbereit und -motiviert sind. Daf\u00fcr sollten auch die Menschen auf die Stra\u00dfe gehen und Friedensbewegungen initiieren. Das Ziel war vor allem, dass die Menschen hier Leben und nicht ausreisen wollten. F\u00fcr viele waren die Lebensbedingungen nicht gut  &#8211; wie zum Beispiel die fehlende Reisefreiheit, die Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit und vielfache staatliche Eingriffe<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"8\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Was ist aus der Aktion geworden? Haben Sie das Gef\u00fchl, etwas erreicht zu haben?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber <\/strong>meinte zu uns, dass es aufgrund der Aktion und der Friedensbewegung schon lange keinen Krieg mehr bei uns gibt.  Es wurde \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c in Leipzig nach zehn Jahren wiederholt als Erinnerung, weil sich die Friedensfrage heute noch nicht ver\u00e4ndert hat und um den Leuten zu sagen, dass Aufr\u00fcstung nicht zum Frieden beitr\u00e4gt.  Wir wollten darauf hinweisen, dass die Menschen umdenken m\u00fcssen, wenn man zum Frieden kommen will. Aber es gibt eine Gruppe von Menschen, die von den Waffen profitieren, und es scheint so, dass ein gro\u00dfes Interesse darin besteht, mit dem Krieg in der Welt fortzufahren.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"9\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frage:<\/strong> Wie blicken Sie heute auf die Aktion? Glauben Sie, dass die Botschaft von damals noch aktuell ist?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau L\u00f6ber<\/strong> meinte zu uns, dass es heute noch Menschen gibt, die mutig sind. Aber es gibt viele, die es nicht sind. Ebendiese versuchen diese Zeitzeugen zu ermutigen, selbst nachzudenken ihre eigene Meinung zu vertreten und \u00fcber die Folgen von Kriegen zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aktion Schwerter zu Pflugscharen war als friedenspolitische Protestaktion eindeutig umrissen. Die Teilnehmerinnern und Organisatoren konnten sich in relativer Sicherheit wiegen aufgrund der internationalen Aufmerksamkeit f\u00fcr den Kirchentag. Keiner der Beteiligten konnte aber genau wissen, welche Repressionen der Staat gegen die Teilnehmerinnen, Organisatoren und Initiatoren ergreifen w\u00fcrde. Dass der Staat nachtr\u00e4glich repressiv auf die Aktion reagierte, wird durch die Beschreibungen von Fr. L\u00f6ber und Hr. Achim Herrmann deutlich. Beide wussten zum damaligen Zeitpunkt, dass sie eine Grenze \u00fcberschreiten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenzen des Protests in der DDR sind nicht klar definiert. Die Regierung versuchte die Bev\u00f6lkerung in verschiedenen Lebensbereichen einzuschr\u00e4nken und bot nur hier und da M\u00f6glichkeiten der freien Entfaltung. Laut Herrmann war es ein \u00f6ffentliches Bekenntnis, wenn man das Friedenssymbol von Wutschetisch und Sander gezeigt hat. Man bekannte, dass man gegen die Friedenspolitik des DDR-Staates ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herrmann hat seinen Fotoapparat an dem Tag der Schmiedeaktion bewusst nicht mitgenommen, weil er Angst hatte, diesen zu verlieren. Wenn die Beh\u00f6rden den Apparat gefunden h\u00e4tten,  h\u00e4tte er damit seine Freunde, Bekannten und alle Anwesenden in Bedr\u00e4ngnis bringen k\u00f6nnen. Auch vermutete er, seine Freunde k\u00f6nnten glauben, dass er f\u00fcr die Stasi spioniert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel von Fr. L\u00f6ber zeigt es deutlich, dass die Aktion gef\u00e4hrlich war. Sie wurde anschlie\u00dfend abgeh\u00f6rt und vor\u00fcbergehend von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Wenn sie nicht die Unterst\u00fctzung von engagierten Personen gefunden h\u00e4tte, wahrscheinlich sogar dauerhaft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Staat hat die Aktion als eindeutige Grenz\u00fcberschreitung wahrgenommen, sonst h\u00e4tte er nicht so reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Weiterf\u00fchrendes Material<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bettina R\u00f6der, 40 Jahre \u00bbSchwerter zu Pflugscharen\u00ab , in Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und  internationale Politik (9&#8217;23), S.109-116<\/li>\n\n\n\n<li>Eckert &amp; Lobmeier, Schwerter zu Pflugscharen. Geschichte eines Symbols, Stifung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 2007<\/li>\n\n\n\n<li>Ehring &amp; Dallwitz, Schwerter zu Plugscharen, Friedensbewegung in der DDR, Hamburg 1982.<\/li>\n\n\n\n<li>Friedrich Schorlemmer, Den Frieden riskieren. Dank-Worte bei der Verleihung des Friedenspeises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche, Frankfurt\/M. 1993.<\/li>\n\n\n\n<li>MDR Dossier,  Schwerter zu Pflugscharen: Das Symbol der Friedensbewegung, 2021<\/li>\n\n\n\n<li>MDR, Friedrich Schorlemmer und &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220;, 2023<\/li>\n\n\n\n<li>Deutschlandfunk Kultur, Deutsche Rufe \u2013 Teil 9, \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c, 2015<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die Idee f\u00fcr dieses Projekt entstand in einem l\u00e4ngeren Prozess, im welchem wir \u00fcberlegten, welches Thema wir f\u00fcr den Geschichtswettbewerb des Bundespr\u00e4sidenten beitragen k\u00f6nnen. Die Anregung sich mit einem Beitrag zu beteiligen kam durch unseren Tutor und Geschichtslehrer. 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